Die Palliativmedizin war vor einigen Jahren ein Thema, an
dem nur Ärzte beteiligt waren, aber im Laufe der Zeit ist es ein Teilgebiet der
Medizin geworden, der eine multidisziplinäre Behandlung beinhaltet. Wenn man
den englischen Begriff Palliative Care wortwörtlich übersetzen will, kann man „Palliation”
mit Linderung und „Care” mit Behandlung beschreiben. Palliative Care ist also die Behandlung durch
Linderung. Nach der WHO, ist Palliative care „an approach that improves the
quality of life of patients (adults and children) and their families who are
facing problems associated with life-threatening illness. It prevents and
relieves suffering through the early identification, correct assessment and
treatment of pain and other problems, whether physical, psychosocial or
spiritual.” (World
Health Organisation, 2017). Das bedeutet, „es
ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren
Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, welche mit einer
lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen. Dies geschieht durch Vorbeugen und
Lindern von Leiden durch frühzeitige Erkennung, sorgfältige Einschätzung und
Behandlung von Schmerzen, sowie anderen Problemen körperlicher, psychosozialer
und spiritueller Art” (Deutsche Gesellschaft zur
Palliativmedizin, 2016).

Eine gute und unfassende palliative Therapie kann selbst bei
fortgeschrittenen Erkrankung helfen, dass die Patienten mit den Symptomen
umgehen können und eine – den Krankheitsumständen entsprechend – hohe
Lebensqualität erhalten bleibt. Palliative Care ist für eine breite Palette von
Krankheiten erforderlich. Die Mehrzahl der Erwachsenen, die Palliativversorgung
benötigen, leiden an chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen
(38,5%), Krebs (34%), chronischen Atemwegserkrankungen (10,3%), AIDS (5,7%) und
Diabetes (4,6%) (World Health Organisation, 2017).

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Was die Krebserkrankung betrifft, erkrankten etwa 252.000
Männer und 230.000 Frauen im Jahr 2013 an Krebs; die Zahl der Sterbefälle lag
im selben Jahr insgesamt bei knapp 223.000. Ende 2013 lebten rund 1,6 Millionen
Menschen in Deutschland mit einer bis zu fünf Jahre zurückliegenden
Krebsdiagnose; weitere 1,1 Millionen Menschen waren zwischen fünf und zehn
Jahren zuvor erstmals an Krebs erkrankt (Robert Koch-Institut, 2016). Wenn Behandlungen
Krebs nicht mehr heilen können (fortgeschrittener Krebs), werden medizinische
und pflegerische Maßnahmen ergriffen, um die Symptome zu lindern. Generell
bezieht sich der Begriff “fortgeschrittener Krebs” auf Krebs, der
sich auf andere Teile des Körpers ausgebreitet hat und normalerweise nicht
heilbar oder behandlungskontrolliert ist (National Cancer Institute, 2017). Im Allgemeinen
gelten die Stadien III (Tumore beliebiger Größe mit Metastasen in 1 bis 4 Lymphknoten
in der Umgebung ohne Fernmetastasen) und IV (Tumore beliebiger Größe mit
Metastasen in 1 bis 4 Lymphknoten in der Umgebung mit Fernmetastasen) als
fortgeschrittene Krebsstadien.

Hauptbeschwerden bei Palliativpatienten sind neben
körperlichen Einschränkungen, Fatigue, Schmerzen, Störungen der Atmung wie
Atemnot oder Husten, Auszehrung (Kachexie), seelische Beeinträchtigungen wie Angst,
Depressionen. Diese führen letztendlich zu Schlafstörung und zur
Verschlechterung der Lebensqualität. Das häufigste auftretende Symptom bei Patienten
in fortgeschrittenen Krebsstadien, die Chemo- oder Strahlentherapie bekommen,
ist die Fatigue, die zu einer Inaktivität führen kann, gefolgt von einem
Verlust der körperlichen Funktionsfähigkeit (Kraft, aerobe Fitness) (Curt, et al.,
2000).

Um diese Symptome zu beherrschen, ist eine ganzheitliche
Behandlung und Begleitung von Palliativpatienten notwendig: Ärzte, Pflege,
psychosozialen Diensten, Seelsorge und auch die Physiotherapie spielen in
diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Physiotherapeutische Maßnahmen in der
Palliativmedizin sind zum Beispiel: Krankengymnastik (passive, assistive und
aktive Bewegungs-, Transfer- und Lagerungstechniken), Atemtherapie,
Bewegungsbad, Hilfsmittelversorgung, Komplexe Physikalische Entstauungstherapie
(KPE), Manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Transkutane Elektrische
Nervenstimulation (TENS) / Reizstrom, klassische Massage, Fango / Heißluft /
Rotlicht (Nieland, Simader, & Taylor,
2013).
Ziele dieser Maßnahmen sind, die Förderung der Selbständigkeit, die Optimierung
bestehender Kapazitäten und Funktionen, die optimale Reduktion von Schmerzen,
Stress und Angstzuständen und dadurch eine Optimierung der Schlaf und Lebensqualität.

Systematische Reviews und Metaanalysen zeigten insbesondere die
positiven Effekte von aerobem Training sowie Kraft- und
Widerstandstraining auf die körperliche Fitness, Fatigue und gesundheitsbezogene
Lebensqualität bei Krebspatienten in früheren Stadien ( (Jones, et
al., 2011); (Duncan, et
al., 2017);
(Kalter, et al., 2013) (Dolan, Lane, & Mckenzie, 2012); (Ha, Mazzone, Ries, Malhotra, & Fuster, 2016)). Studien, die
körperliche Aktivitäten für Menschen mit fortgeschrittenem Krebs untersuchten,
sind jedoch begrenzt. Die Trainingsbedürfnisse und das Ansprechen von Menschen
mit fortgeschrittenem Krebs sind wahrscheinlich anders als bei Patienten in früheren Krebsstadien. Der aktuelle Review
von Dittus et al. (2017) untersuchte anhand durchgeführter Studien zwischen
2004 und 2017 die Durchführbarkeit von physischen
Aktivitäten und deren Auswirkungen bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs.
Die Autoren schlossen nicht nur Studien mit körperlichen Aktivitäten als
Intervention, sondern auch mit multidisziplinären Behandlungen ein. Daher fungiert
diese systematische Übersichtsarbeit als ein Update des Abschnittes „Wirkung
der körperlichen Aktivitäten bei Patienten mit fortgeschrittener Krebs” aus dem
Review von Dittus et al. (2017). In
dieser Arbeit geht es daher besonders um die Wirksamkeit von physischen Aktivitäten
bei Patienten mit Krebs in Stadium III bis IV oder mit Metastasen. Mit Hilfe des
PICO-Schemas konnten die Fragestellungen konkret formuliert werden, um die daraus
hervorgehenden Ergebnisse möglichst gut nutzbar zu machen.

P

Patienten mit fortgeschrittenem Krebs (Stadium III und IV
oder metastasierender Krebs)

I

Bewegungstherapie/ körperliche Aktivitäten

C

Standardtherapie, andere passive PT-Methoden und/oder
Pharmakotherapie

O

Erhöhung der körperlichen Leistungsfähigkeit (aerobe
Fitness, Ausdauer, Muskelkraft, Gehfähigkeit oder Mobilität), der körperlichen
Funktionen (Selbständigkeit), Erhalt/Erhöhung der Lebensqualität und
Verminderung der Fatigue

 

Es werden dadurch folgende Forschungsfragen untersucht:

·        
Führt die Durchführung von physischen Aktivitäten
zur nachweislichen Erhöhung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der Funktionen
von Krebspatienten in fortgeschrittenem Krankheitsstadium?

·        
Führt die Durchführung von physischen Aktivitäten zum nachweislichen Erhalt oder der
Steigerung der Lebensqualität von Krebspatienten in fortgeschrittenem
Krankheitsstadium?

·        
Führt die Durchführung von physischen Aktivitäten
zur nachweislichen Verminderung der Fatigue bei Krebspatienten in fortgeschrittenem
Krankheitsstadium?

 

 

 

1     
Hintergrundwissen

Zum besseren Verständnis der palliativen Physiotherapie soll
im Folgenden auf deren Ursprung und Entwicklung eingegangen werden.

1.1    
Entwicklung der Palliative Care und der
palliativen Physiotherapie

Hospiz- und Palliativpflegebehandlungen reichen mehrere
hundert Jahre zurück, aber die Modernisierung von Hospiz und
Palliativversorgungen began in London der 1960er Jahren. Cicley Saunders gilt
als Begründerin der modernen Hospizbewegung und damit auch als Initiatorin des
aktuellen Konzepts der Palliativmedizin. Sie arbeitete zunächst als
Krankenschwester, Sozialarbeiterin und später als Ärztin. In der Zeit, in der
der Tod zunehmend tabuisiert wurde, beschäftigte sie sich, mit der Verbesserung
der Versorgung unheilbar kranker und sterbender Patienten. 1967 gründete sie
das Christopher’s Hospiz in Sydenham, London, das zum Vorbild für unzählige
Hospiz- und Palliativpflegedienste in Großbritannien und in mehr als 90
weiteren Ländern wurde. Durch ihre Initiative, erhielten unheilbar kranke und
sterbende Patienten eine spezialisierte medizinische und Pflegerische
Behandlung mit emotionaler, spiritueller und sozialer Unterstützung. Seitdem
wurde diese Praxis weltweit aufgegriffen und weiterentwickelt (B. Braun Sharing Expertise, 2017)

Ende der 1960er Jahre gab es erste Kontakte von Seelsorgern
und Ärzten zu britischen Hospizen in Deutschland. Im Jahr 1983 wurde an der
Chirurgischen Klinik der Universität Köln unter der Leitung von Professor
Pichlmaier die erste “Station für palliative Therapie” eröffnet. Im
Jahr „1994 wurden die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin als
wissenschaftliche Fachgesellschaft sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz
als Dachverband der Hospizbewegung gegründet. 2009 wurde in Bayern das
Fachprogramm „Palliativversorgung in Krankenhäusern” des bayerischen
Krankenhausplanes erweitert: Neben den bisherigen Regelungen zu Palliativstationen
wurden neue palliativmedizinische Dienste eingeführt, um sicher zu stellen,
dass auch Krankenhäuser ohne eigenständige Palliativstationen eine
qualifizierte Palliativversorgung anbieten und finanzieren können. Diese
Einrichtungen haben anstelle einer abgeschlossenen therapeutischen Einheit
multiprofessionelle palliativmedizinische Dienste etabliert, die Patienten,
Angehörige und Behandlungsteams anderer Fachdisziplinen unterstützen und
beraten” (Lins, 2011).

Die aktive Entwicklung der Palliativmedizin in Deutschland
und in anderen europäischen Ländern erweiterte den Praxisbereich und aus diesem
Grund, wurde im Jahr 1999 die Arbeitsgruppe “Physiotherapie in der
Palliativmedizin” der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
unter der Direktion von Peter Nieland in Bonn gegründet. Es wurde auch Weiter-
und Fortbildungen entwickelt, um die schon vorhandene Weiterbildung für Ärzte, und
andere Fachkräfte der Palliativmedizin auszugleichen. In verschiedenen Städten
können Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten Weiterbildungskurse besuchen,
die vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) anerkannt sind (Mehne, 2009). Physiotherapeuten
lernen, die Bedürfnisse der Patienten und ihrer Familien zu erkennen und zu
respektieren. Sie sind in der Lage, die Ressourcen des Patienten zu aktivieren
und zu erweitern, deren Wohlbefinden zu sichern und die zu unterstützen. Sie kennen
die Grenzen des menschlichen Lebens und die Akzeptanz dieser Tatsache; lernen
und integrieren Familie und Freunde des Patienten in das Therapiekonzept.
Einige Fähigkeiten von Physiotherapeuten in der Palliative Care sind:

·        
Die Patientenvorbereitung für medikamentöse,
chirurgische und strahlentherapeutische Therapien

·        
Die Begleitung von Patienten bei anderen
gängigen Therapien, einschließlich der Behandlung von primären oder sekundären
Nebenwirkungen.

·        
Die Behandlung von Schmerzsymptomen, die in
diesem Zusammenhang eine der Hauptanwendung der Physiotherapie ist.

·        
Nach der medikamentösen Therapie, der
Regeneration des Patienten oder der Unterstützung des Transfers in dem
ambulanten, häuslichen Bereich.

1.2    
Aktueller Forschungsstand von Dittus et al. (2017)

Dittus et al. haben
ein Review im Jahre 2017 veröffentlicht, wo sie die Wirksamkeit des Trainings
als Intervention bei Patienten mit fortgeschrittenen Krebsformen anhand
publizierten Studien untersuchten. Ihr Ziel war es, die Charakteristika und
Vorteile von körperlichen Aktivitäten bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs
zu identifizieren, wobei der Schwerpunkt auf der Beurteilung der aeroben
Fitness, der Kraft, der körperlichen Funktion, der Fatigue und der
Lebensqualität lag. Wenn verfügbar, untersuchten die Autoren zusätzlich die
Durchführbarkeit von Trainingsmaßnahmen für diese Population. Für diesen Zweck
wurden Studien in den Datenbanken Ovid Medline, CINAHL und Pubmed gesucht, die
zwischen 2004 und März 2017 publiziert wurden. Die Suchbegriffe waren: advanced
or metastatic, cancer or neoplasm and exercise or physical activity sowie die
folgenden Einschlusskriterien: englischsprachige Artikel, randomisierte kontrollierte
Studien (RCTs), einarmige Prä- / Post-Interventions-Studien, pragmatische
Studien sowie prospektive Kohorten-Studien. Die Autoren schlossen zudem Studien
ein, in denen eine Intervention mit einer Bewegungskomponente getestet wurde
und bei der mindestens ein Drittel der Stichprobenpopulation Krebs im
fortgeschrittenen Stadium aufwies. Outcomes waren Parameter der körperlichen
Leistungsfähigkeit einschließlich aerobe Fitness, Kraft und Standardmaße der
körperlichen Funktion als Fatigue.

Daher wurden
insgesamt 26 Artikel ausgewählt, die die Einschlusskriterien erfüllten. Die Tabelle
(siehe Anhang S. xv bis xii), enthält alle Informationen, die dem
systematischen Review von Dittus et al (2017) zu entnehmen waren.

Zusammenfassend
zeigten Studien, bei denen die aerobe Kapazität vor und nach einer
Trainingsintervention gemessen wurde, bei 73,7% der Studien (14 von 19 Studien)
eine signifikante Verbesserung, während 26,3% (5 von 19) keine Veränderung
zeigten. Bei Studien, bei denen die Kraft gemessen wurde, erhöhte sich die
Kraft nach der Intervention in 11 von 12 Studien (91,7%) signifikant. 100% der
Studien zeigten eine gewisse Steigerung der körperlichen Funktion, obwohl die
Ergebnisse sehr unterschiedlich waren. Bezuglich der Fatigue-Ergebnisse, konnte
in RCT-Studien eine Minderung der Fatigue in der interventionsgruppe im
Vergleich zu der Kontrollgruppe nicht eindeutig identifiziert werden. Aber es
wurden jedoch innerhalb der Interventionsgruppe überwiegend deutliche Minderung
der Fatigue nach der Intervention festgestellt. Neunzehn Studien (9 RCTs und 10
einarmige Studien) untersuchten die Vorteile von Bewegung zur Verbesserung der
Lebensqualität bei Personen mit fortgeschrittenem Krebs. Insgesamt 10 Studien
(52,6%) identifizierten eine Steigerung der Lebensqualität, während 9 (47,4%) keine
identifizierten. Dies kann damit zusammenhängen, dass die Anzahl der Teilnehmer
bei den 10 Studien höher war und deshalb das Ergebnis deutlicher war.

Der Prozentsatz der
Personen, die an den überprüften Studien bis zum Ende teilnahmen, lag zwischen
26 und 86% (durchschnittlich 49%). Laut Dittus et al. scheinen Patienten mit
Krebs im fortgeschrittenen Stadium ein unterschiedliches Interesse und Bedürfnis
an sportbezogenen Interventionen zu haben. Die Programmevaluationen meldeten
den höchsten Rückgang bei 30 bis 61%. Die Adhärenz an der
Trainingsintervention, die mit Hilfe der Teilnahme an Training-Sitzungen
beurteilt wurde, variierte von 65% bis 95% in den 12 Studien, die Adhärenz
berichteten.

2     
Material und Methoden

Im Folgenden werden
die Ein- und Ausschlusskriterien dieses Reviews spezifiziert, die Outcomes festgelegt,
der Ablauf der Literaturrecherche erläutert und die Datensammlung und
Datenanalyse beschrieben, um die Ergebnisse ermitteln zu können.

2.1    
Suchstrategie

Im ersten Schritt
wurden Ein- und Ausschlusskriterien sowie Outcomes für die Recherche definiert,
und eine geeignete Auswahl von Datenbanken getroffen. Die Datenbanken Medline
(PubMed), PEDro, Cochrane Library, EMBASE und CINAHL wurden ausgewählt, da
diese eine hohe Publikationsrate von medizinisch/therapeutischen Studien
beinhalten. Die Suche erfolgte im Zeitraum vom 02.10.2017 bis 16.10.2017

2.1.1   
Ein- und Ausschlusskriterien

In die Recherche
wurden alle Studien einbezogen, deren Teilnehmer zum Zeitpunkt der Untersuchung
18 Jahre alt oder älter waren und bei denen fortgeschrittener Krebs diagnostiziert
wurde. Männer und Frauen wurden einbezogen und es sind alle Krebsarten
betrachtet worden, um die Auswirkung von Bewegung zu beobachten und die
Vergleichbarkeit je nach Krebsart zu deuten.  Weiterhin beinhaltet die Recherche Studien mit
Bewegungstherapie oder körperlichen Aktivitäten als Intervention sowie Studien
mit anderer medizinischer Versorgung (Pharmakotherapie, passive
physiotherapeutische Methoden) in der Kontrollgruppe.

Laut der American Cancer
Society (The
American Cancer Society medical and editorial content team, 2016), gelten Krebserkrankungen, die
sich ausgebreitet haben (metastasiert), oft als fortgeschritten, wenn sie nicht
mit einer Behandlung geheilt oder kontrolliert werden können. Der Begriff
„lokal fortgeschrittener Krebs” wird verwendet, um Krebs zu beschreiben, der
außerhalb des Organs, in dem er begonnen hat, gewachsen ist, sich jedoch noch
nicht in entfernte Teile des Körpers ausgebreitet hat. Diese Kriterien wurden
auch bei den Einschlusskriterien von den Studien betrachtet.

Studien in
englischer, deutscher und französischer Sprache, die von 2012 bis 2017
publiziert wurden, sind miteingeschlossen worden.

Um eine bessere
Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu erzielen, wurden Studien, die sich mit multidisziplinären oder interdisziplinären Behandlungen in
der Interventionsgruppe befasst haben, ausgeschlossen. Alle anderen
physiotherapeutischen Maßnahmen zum Beispiel Massage, Propriozeptive
Neuromuskuläre Fazilitation (PNF), Passive Bewegungen, Elektrotherapie etc. in
Kombination mit Bewegungstherapie oder körperlichen Aktivitäten als
Intervention wurden auch ausgeschlossenen, da es die Ergebnisse verfälschen
könnte. Ein weiteres Ausschlusskriterium waren andere Erkrankungen als Krebs.

2.1.2   
Outcomes

Die primären
Outcomes dieses Reviews sind Parameter der körperlichen Leistungsfähigkeit
einschließlich aerober Fitness, Ausdauer, Muskelkraft, Gehfähigkeit oder
Mobilität und Standardmessung der körperlichen Funktion (Selbstständigkeit:
definiert als die Fähigkeit, Aktivitäten zu absolvieren, die für ein
unabhängiges Leben wie sich waschen, Heben oder Treppensteigen erforderlich sind (Jette, 2006)), Lebensqualität und Fatigue. Weitere Outcomes sind Schmerzen,
Knochendichte und Knochenerhalt.

2.2    
Ablauf der systematischen Literaturrecherche

Zur
Literaturrecherche wurden die Datenbanken EMBASE, Medline (PubMed), PEDro,
CINAHL und die Cochrane Library genutzt. Die Suche erfolgte im Zeitraum vom
02.10.2017 bis 16.10.2017

In der Datenbank
PubMed ergaben sich unter Verwendung der Suchbegriffe „Exercise” AND
„Neoplasms” 1451 Treffer. Da die Trefferquote hoch
war, wurde die Kombination von „Palliative care” AND „Neoplasm” AND „Exercise”
benutzt und erzielte 11 Treffer. Nur die Treffer dieser Kombination wurden dann
im Flowchart dargestellt, da diese Studien die gleichen waren, wie die in den ersten Suchbegriffen, nachdem die
Titel gelesen wurden. Nach Sichtung der Titel
und anschließender Abstract-Sichtung unter Berücksichtigung der gewählten Ein-
und Ausschlusskriterien reduzierte sich die Anzahl der Treffer auf eine Studie.
Anhand der verbleibenden Studie wurde unter „related citations” nach weiteren
Studien gesucht. Dabei konnten 6 Treffer gefunden werden. Nach der
Literaturbeschaffung und abschließendem Lesen der 7 Volltexte blieb es dennoch
bei den bisher eingeschlossenen 9 Studien.

Die Suche in der
Datenbank Embase mit den Begriffen „physical activity” AND „advanced cancer”
AND „palliative care” lieferte 115 Treffer. Nach Titel-, Abstrakt- und
Volltextsichtung und der Berücksichtigung der gewählten Ein- und
Ausschlusskriterien ist kein Treffer übriggeblieben, der für den Vergleich
herangezogen werden kann.

In der Datenbank
PEDro ergaben sich unter Verwendung der Suchbegriffe „exercise” and „advanced
cancer” 15 Treffer und bei den Suchbegriffen „physical activity” and
„palliative care” 8 Treffer. Nach Sichtung der Titel und anschließender Abstrakt-Sichtung
unter Berücksichtigung der gewählten Ein- und Ausschlusskriterien wurde keine
Studie eingeschlossen.

Zur Suche in der
Cochrane Library wurde eine erste Kombination der Suchbegriffe „physical
activity” OR „Exercise” AND „advanced cancer” genutzt. Insgesamt wurden 16573
Studien gefunden. Da die Trefferzahl zu groß war, wurde eine zweite Kombination
„physical activity” AND „advanced cancer” AND „palliative care” benutzt, welche
161 Treffer ergab, sowie eine dritte Kombination aus „effect of training” AND
„palliative care”, welche 121 Treffer ergab. Die Studien bei der zweiten und
der dritten Kombination stimmten mit den Ergebnissen der ersten Kombination
überein. Die Treffer der zwei letzten Kombinationen wurden berücksichtigt und
in das Flowchart eingetragen. Nach vollständiger Sichtung von Titel, Abstrakt
und Volltext entsprachen zwei Studien in der Rubrik „Reviews” und 10 in der
Rubrik „Trials” den festgelegten Einschlusskriterien. Bei 9 der 12 Studien
handelte es sich um Duplikate, die zuvor bereits in PubMed angezeigt wurden.

Die Suche in der Datenbank CINAHL mit den
Begriffen „physical activity or exercise “AND „advanced cancer”AND „palliative
care or end of life care” lieferte 489 Treffer. 
Zwei von diesen Treffern sind nach Titel-, Abstrakt- und
Volltextsichtung unter Berücksichtigung der gewählten Ein- und
Ausschlusskriterien übriggeblieben. Es handelte es sich aber um Duplikate, die
zuvor bereits in der Cochrane Library angezeigt wurden.

Nach
abgeschlossener Literaturrecherche konnten insgesamt 9 Studien eingeschlossen
werden, 4 Studien davon (Rief et al.2014 (a, b, c) und 2016), haben die
gleichen Probanden, berichten aber über verschiedene Outcomes. Diese werden bei
den Ergebnissen deswegen als eine Studie betrachtet, aber dennoch als einzelne
Studien bewertet.

Es ist wichtig zu
erläutern, dass die Literaturrecherche von einer anderen qualifizierten Person
unabhängig durchgeführt wurde, um Bias oder Datenverlust zu vermeiden. Im
anschließenden Gespräch und Vergleich konnte eine Übereinstimmung bei der
eingeschlossenen Studie festgelegt werden. Eine detaillierte Übersicht in Form einer
Tabelle der Suchverläufe in den einzelnen Datenbanken befindet sich im Anhang
(S. i bis iii)

2.3    
Datensammlung und Datenanalyse

Die Angaben über
die Teilnehmer, Intervention und Kontrollintervention sind die wichtigsten
Parameter der jetzt eingeschlossenen Studien. Die darin verwendeten Outcomes
und die dadurch erhobenen Ergebnisse wurden anschließend extrahiert und in Form
eines Exzerpts tabellarisch (Tabelle im Anhang S iv-viii) zusammengefasst.
Hierbei wurden die Messgrößen, inklusive der dadurch erhobenen Daten,
exzerpiert, die für die Beantwortung der Fragestellungen dieses Reviews von
Relevanz waren, sowie die beste Validität und Reliabilität bzgl. der zu
untersuchenden Outcomes aufwiesen.

Die Bewertung der
Studien erfolgte mit Hilfe der PEDro-Skala für die eingeschlossenen
randomisierten Kontrollstudien (RCTs) und der AMSTAR-Checkliste für das
systematische Review.

Zur Ermittlung des
Ergebnisses sind die Outcomes der eingeschlossenen Studien sowohl bei
signifikanten als auch bei nicht signifikanten Veränderungen berücksichtigt
worden. Ein Ergebnis in den Studien gilt als signifikant, wenn es einen p-Wert
? 0,05 aufweist. Im Abschnitt Ergebnisse werden die Studien in die Schwerpunkte
Krebsarten und Studienarten aufgeteilt. Die Studien von Rief et al. 2014a, b, c
und 2016 werden besonders berücksichtigt, weil die Autoren 4 verschiedene Publikationen
veröffentlichten, wo sie mit immer den gleichen Probanden unterschiedliche
Outcomes untersuchten. Es werden jeweils alle erhobenen Daten, die unter der
Verwendung eines Assessments ermittelt wurden, studienübergreifend in einer
Tabelle gelistet und erläutert. Ebenfalls werden diese Ergebnisse auf ihre
klinische Relevanz hin überprüft. Danach erfolgt eine Zusammenfassung der
Ergebnisse, mit einer Spiegeltabelle je Schwerpunkt, damit wird übersichtlich
dargestellt, ob es innerhalb der Studien signifikante Veränderungen nach der
Intervention gab oder nicht.

Abschließend werden
die Forschungsfragen beantwortet. Die Grenzen und Faktoren, die die Ergebnisse
der Studie beeinflussen, werden erläutert und diskutiert. Die Stärken und
Grenzen dieser Arbeit werden ebenfalls reflektiert. Danach folgt eine
Schlussfolgerung zum Gesamtergebnis. Vorschläge zur Optimierung weiterer
Forschungsprojekte werden diese Arbeit beenden.